Zwischen Welten - Ein Heimkommen

Ich schnaufe. Die letzten Meter waren steil, meine Beine brennen noch von den Intervallen. Ich blicke mich um – unter mir liegt Ebermannstadt, eingerahmt von sanften Hügeln, Felsen und Wäldern. Die Luft ist frisch, leicht feucht vom letzten Regenschauer. Plötzlich erkenne ich ihn: den Mann, den ich heute schon gesehen habe. Wir sind uns während meines Trainings zweimal begegnet, jetzt kommen wir ins Gespräch. Er lebt hier, in Ebermannstadt, und erzählt mir, dass er noch nie auf dem Hummerstein war. Ich muss lachen – wie oft passiert es, dass man die schönsten Orte direkt vor der eigenen Haustür nicht kennt? Für ihn ist es eine echte Neuentdeckung, für mich ein vertrauter Ort, der sich jedes Mal ein wenig anders anfühlt. Ein Moment, der mir wieder zeigt, warum ich immer wieder in die Fränkische Schweiz zurückkomme.


Dabei lebe ich eigentlich am schönsten Ort der Welt – am Achensee, umgeben von Bergen und traumhaften Trails. Und doch zieht es mich immer wieder hierher. Die Region ist das ganze Jahr über perfekt für Trailrunning: sanfte Hügel, steile Anstiege, urige Wälder und dazu diese einmalige Mischung aus Natur, Geschichte und Kultur. Es ist die Kombination aus Vertrautheit und immer neuen Entdeckungen, die mich hierher zurückbringt.


Ich habe in Bamberg studiert und in dieser Zeit intensiv Triathlon betrieben. Irgendwann stieß ich auf die Fränkische Schweiz und zementierte dort meine Leidenschaft für das Trailrunning, nachdem ich beim Karwendelmarsch Blut geleckt hatte.. Seitdem fühlt sich jeder Besuch in dieser Region wie eine Heimkehr an – nicht nur wegen der idyllischen Landschaft, sondern auch, weil Bamberg und seine Umgebung sechs Jahre lang meine Wahlheimat waren. Hier gelang es mir, mich beim UTFS (Ultra Trail Fränkische Schweiz) für die Weltmeisterschaft 2023 in Innsbruck zu qualifizieren, und in diesem Jahr werde ich erneut beim UTFS starten – diesmal bei der Deutschen Meisterschaft 2025.


Mit dem Zug machte ich mich auf den Weg nach Ebermannstadt, um dort drei Tage zu verbringen. Ein großer Vorteil: Die Stadt ist bequem mit dem Zug erreichbar und alles kann fußläufig erkundet werden. Ebermannstadt wirkt fast wie aus der Zeit gefallen – kleine, privat geführte Geschäfte prägen das Stadtbild.
Gleich am ersten Tag machte ich mich auf den Weg zum Hummerstein. Aus Ebermannstadt 2,5km an der Wiesent flach entlang erreiche ich Gasseldorf, einen kleinen Ort, der übrigens die Heimat des Erfinders der Wiener Würstchen ist, von wo aus es tetig steil durch den Wald nach oben ging. Der Wiener Würstchen-Erfinder, Johann Georg Lahner, wurde hier 1772 geboren. Er wanderte später nach Wien aus, wo er als Metzger arbeitete und 1805 die Wiener Würstchen erfand – eine Mischung aus Schweine- und Rindfleisch, die damals eine echte Neuerung war. Interessanterweise wurden sie in Wien nach ihm benannt, während sie in Deutschland als „Frankfurter“ bekannt sind – ein kleiner kulinarischer Identitätskonflikt.


Am Ende des Anstiegs erreicht man eine Lichtung, von der aus sich ein beeindruckender Blick 200 Höhenmeter hinunter ins Tal und nach Ebermannstadt bietet. An diesem Abend hatte ich das Glück, einen ganz besonderen Sonnenuntergang zu erleben – der Himmel leuchtete in tiefem Rot und Orange, als würde er brennen. Ein spektakuläres Farbenspiel, das die ganze Landschaft in eine fast surreale Atmosphäre tauchte. Ich stand einfach da und ließ den Moment auf mich wirken – genau diese Augenblicke sind es, die mich immer wieder hierherziehen - während meines 3 tägigen Besuchs ganze fünf mal!
Das Wetter war wechselhaft – immer wieder Schauer, fast wie im April. Doch genau das passt irgendwie zur Gegend. Am Morgen, als es besonders stark regnete, nutzte ich die Gelegenheit für einen Besuch im Heimatmuseum. Ich war erstaunt, wie viel Geschichte und Vielfalt in den kleinen Räumen dieses Museums ausgestellt war. Besonders spannend fand ich die Geschichten über die Brautradition in der Region. Denn wenn es eine Sache gibt, die Franken genauso gut können wie malerische Landschaften, dann ist es Bier! In der Fränkischen Schweiz gibt es die höchste Brauereidichte der Welt. Die kleinen Familienbrauereien, die oft seit Jahrhunderten existieren, haben Rezepte und Braukunst über Generationen weitergegeben. Und wer einmal ein fränkisches Landbier aus einem Steinkrug getrunken hat, weiß, dass es kaum etwas Ursprünglicheres gibt.


Auch wenn ich schon oft in der Fränkischen Schweiz war, entdecke ich die Gegend jedes Mal neu. Jeder Besuch bringt neue Wege, neue Aussichten und faszinierende Felsformationen mit sich. Zu den Highlights meiner Reise gehörten diesmal das Walberla, der Schlüsselstein in den Abendstunden und immer wieder die atemberaubenden Blicke ins Tal. Das Walberla, oft als das „Tor zur Fränkischen Schweiz“ bezeichnet, ist ein mystischer Ort mit langer Geschichte. Hier oben spürt man förmlich die Vergangenheit – Kelten haben diese markante Erhebung einst als Siedlungsstätte genutzt. Der Schlüsselstein hingegen bietet eine besonders schöne Atmosphäre in den Abendstunden, wenn das letzte Licht die Felsen in warme Farben taucht.
Nun stehe ich wieder hier, auf dem Hummerstein, am selben Punkt wie am ersten Tag. Der Mann, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin, verabschiedet sich mit einem Lächeln und macht sich an den Abstieg. Ich bleibe noch einen Moment stehen, blicke ein letztes Mal hinunter ins Tal und spüre, wie sich die vertraute Ruhe über mich legt. Auch wenn mein Trip nur kurz war, war es eine Zeit des Abschaltens und Auftankens – beeindruckend, wie schnell man hier zur Ruhe kommen kann. Und eines ist sicher: Ich werde wiederkommen.
 

Rekord an der Zugspitze

Dies ist die Geschichte hinter der Fastest Known Time (FKT) auf dem Jubiläumsgrat. Am 20. Juli 2024 haben die beiden Freunde Benni Bublak und Johannes Stimpfle einen neuen Speedrekord auf der Route Hammersbach - Zugspitze - Alpspitze - Hammersbach aufgestellt. Die beiden Trailrunner bewältigten die technisch-herausfordernde Runde (25,9 km und 3088 hm) in 5 Stunden und 30 Minuten. Eine Geschichte über Freundschaft, Leidenschaft und Bergsport auf höchstem Niveau. Wir von dirtbagrunning.com durften diese Geschichte für das Onlinemedium alles-laufbar.de in Kooperation mit Merrell und MNSTRY verfilmen.

Viel Spaß beim Schauen!

 

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